Wenn ein Vorfahr Grundeigentum hatte und der Ort des Besitzes sowie der Name des Eigentümers bekannt sind, kann man
Familienforschung auch mit Hilfe der Grund-Akten betreiben.
Die alten Grund-Bücher und die dazu gehörenden Grund-Akten kann man in den Staatsarchiven einsehen.
Die Grundbücher (gebundene Bücher!) sind stets für einen regionalen Bereich und umfassen einen bestimmten Zeitraum.
Die Grundakten (einzelne Akten!) betreffen stets ein bestimmtes Grundstück. Eine Ordnung im Archiv nach Besitzern kann
nur für die Grundakten erfolgen, nicht für die Grundbücher. Zu letzteren könnte es einen Index der letzten Besitzer geben.
In den Grundakten befinden sich die entsprechenden Teile des Grundbuches (d.h. in den Grundbüchern sind nur Zweitschriften
der Akten oder umgekehrt), aber zusätzlich noch die Urkunden die den Besitz belegten.
Flurbücher und Gemarkungsblätter sind nur für die Gemeinde wichtig, um Grenzen der Gemeinde und Grundstücksbezeichnung und
Grundstücksgrenzen festzulegen.
Hierzu verweise ich auf den Abschnitt Grundakten und Kataster auf meiner anderen Seite.
In den Verzeichnissen der Grundbuchämter bei den Amtsgerichten zu den Grundbuchakten ist meist die Grundbuchnummer und der
letzte Eigentümer angegeben.
Wenn der gesuchte Vorfahr sein Eigentum etwa vor 1900 verkauft hat, trägt die Akte heute nicht mehr
seinen Namen, sondern eben den des letzten Eigentümers!
Falls Grundbuchnummer und letzter Eigentümer nicht bekannt sind, wird die Suche nach dem Grundeigentum einer Familie
wesentlich aufwendiger.
Erst wenn die Grund-Buch-Band Nr. und Blattnummer ermittelt ist, kann man die Grund-Akte heraussuchen lassen.
Die Grundakten sind die zum Grundbuch gehörenden Akten.
Die ältesten Grundakten/Grundbücher des Amtsgerichts Hirschberg fangen 1725 an, in Reichenbach 1701, in Leobschütz 1728,
im Kreis Tarnowitz erst um ca. 1780-1790. Mindestens für das Fürstentum Oppeln-Ratibor gibt es auch
Grundbücher (wahrscheinlich wäre Urbarien der bessere Begriff) bis ins 16. Jahrhundert hinein, siehe diesen
Bestand.
Sie
enthalten teils auch Angaben zu Personen, die schon bis zu 50 Jahre vorher geboren wurden.
Die Grund-Akten mit teilweise 200 bis 300 Seiten sagen viel über die Lebensumstände der Grundstücktseigentümer aus.
Man findet alle Verträge z.B. Testamente, in denen - fast immer - alle Erben genannt werden,
Erbverträge, Kaufverträge, Bewilligungen und Löschungen von Hypotheken oder
Altenteilerrechten, Hinweise auf Sterbeurkunden usw., die zu einer Änderung von Eintragungen am Grundstück geführt haben.
Oft darf man die Grundakten fotografieren. Das kostet etwa pauschal 30,- Zlotys pro Grundakte,
egal ob man drei Fotos oder 300 aufnimmt.
Eine weitere Fundgrube sind die Rezess- = Ablösungsakten, aus dem 19. Jahrhundert, als sich die Landeigentümer von Dienstverpflichtungen freikaufen mussten. Diese Duplikats-Akten der ursprünglich "Königlichen Kommission" in Breslau lagen früher bei den Amtsgerichten, heute aber in den für den Ort zuständigen Staatsarchiven.