Hintergrundinformation

Der Deutsche Kaiser Ferdinand III hatte im Friedensvertrag, der den 30-jährigen Krieg beendete, durchgesetzt, dass ab Friedensschluss in den kaiserlichen Erblanden nur der katholische Glaube gültig sei. In Schlesien unterstanden ihm direkt [als dem König von Böhmen seit 1627] die drei schlesischen Erbfürstentümer Schweidnitz, Jauer und Glogau. So kam es zur Rekatholisierung in den genannten Fürstentümern. In jedem der drei Fürstentümer durfte lediglich eine evangelische Kirche errichtet werden, also die drei sogenannten Friedenskirchen von Schweidnitz, Jauer und Glogau. Alle bisher von den evangelischen Einwohnern genutzten Kirchen wurden durch einen kaiserlichen Befehl den Katholiken zurück gegeben und die evangelischen Geistlichen vertrieben.

Deshalb gingen ab dem 16. November 1653 die meisten Evangelischen aus dem Fürstentum Schweidnitz in die neu geschaffene Friedenskirche am Rand der Stadt Schweidnitz. Durch die Beschränkung auf nur drei evangelische Friedenskirchen, hatten diese jeweils ein sehr großes Einzugsgebiet. Allerdings grenzte das Fürstentum Schweidnitz im Norden an das evangelische Fürstentum Liegnitz und im Westen an das evangelische Sachsen. Die evangelischen Bewohner im Norden und Westen benutzten deshalb gern die näheren evangelischen Kirchen im Fürstentum Liegnitz bzw. in Sachsen und entlasteten so Schweidnitz etwas.

Die Nutzer der Schweidnitzer Frienskirche kamen etwa aus: Adelsbach, Dittersbach, Faulbrück, Friedland, Freiburg, Gottesberg, Haynau, Leutmannsdorf (Leuttmansdorf), Ludwigsdorf, Reichenbach, Satzborn, Schweidnitz, Seitendorf (Seytendorf), Steinseifersdorf, Waldenburg, Weißstein und Zobten (am Berge). Erst mit der Altranstädter Konvention vom 1. September 1707 wurde es zulässig, zusätzliche evangelische (Gnaden-)Kirchen zu errichten. Dadurch reduzierten sich die Besucher-Zahlen für die Friedenskirchen. Für einige Orte war aber die Entfernung gleichlang zu der einen oder anderen, und so finden wir zum Beispiel in Schweidnitz manchmal weiterhin Einträge von Auswärtigen.
Ab der preußischen Zeit von 1742 ging durch die Errichtung evangelischer Bethäuser in immer mehr Orten die große Zeit der überregionalen Kirchen langsam vorbei.

Für Familien-Forscher ist allerdings immer wichtig, dass sowohl in Schlesiens österreichischer Zeit als auch in der preußischen bis Ende 1757 der Pfarrzwang galt. Aus diesem Grunde sind die Eintragungen der geistlichen Handlungen, die evangelische Einwohner betreffen, auch in den katholischen Kirchenbüchern der zuständigen Ortspfarrei der Handelnden zu finden!

Noch keine eigene Forschung vor Ort

Eigene Forschung vor Ort ist auch 2013 noch nicht möglich. Entsprechende Möglichkeiten sollen zwar geschaffen werden, sind aber kurzfristig nicht zu erwarten.

Enthaltene Online-Daten

Die Kirchenbücher von Schweidnitz sind Anfang 2000 von den Mormonen verfilmt worden und bis dato gesperrt. Daher ist die Online-Bereitstellung in Form einer Datenbank der Taufen und Trauungen ab 1653 ersatzweise erfreulich, zumal der Datenbestand überaus umfangreich ist. Allerdings sind die dort eingestellten Daten nur zu einer Orientierung zu gebrauchen. Neben Übertragungsfehlern, wurden bei älteren Taufen nicht das Kind, sondern der jeweilige Vater erfasst. Bei nur zwei Familiennamen ohne Ortsangabe handelt es sich nicht etwa um Trauungen, sondern es sind Taufen aus dem alphabetischen Namensregister übernommen worden etc.
Vor einer ungeprüften Übernahme aus der Datenbank kann deshalb nur gewarnt werden. Für eine seriöse Datenübernahme ist eine Anforderung - Bitte um eine Kopie des jeweiligen Eintrages - an die Evangelische Pfarrei Schweidnitz unbedingt nötig.

Arbeiten mit der Onlinedatenbank der Taufen und Trauungen

Der Einstieg erfolgt über die in polnischer Sprache gehaltene Startseite der Schweidnitzer Friedenskirche.

A Überblick
Wer sich zunächst einen Überblick über die zu Grunde liegenden Bücher verschaffen will, gibt unter der Suchmöglichkeit ganz oben auf der Seite - oberhalb des Fotos - "Taufbuch von Stadt und Land", "Traubuch Land und Stadt" oder "Taufregister" ohne die Anführungszeichen ein. Der Suchbegriff "Taufbuch" führt zu jüngeren Quellenangaben.
Dann den Button szukaj (suchen) anklicken. Man sieht den Bestand an Kirchenbüchern.

Rodzaj = Art der Vorlage;
Rok = Jahrgang.
wiecej führt zu noch spezifischeren Angaben zu dem Buch: Signatur, Sprache, Standort usw.

Der schnellere Weg zum KB:
Wer sich einen Überblick über die zu Grunde liegenden Bücher verschaffen will, im "katalog rekopisów" (Katalog der Handschriften = Matriken!) findet man unter I das älteste Taufbuch (R 0002) und unter T alle weiteren Tauf- und Trauungsbücher.

B Suche nach Ahnen
Man geht auf die Startseite der Schweidnitzer Friedenskirche.

Im Mittelteil die Suchfelder bedeuten:

Nazwisko = Name;
od= von;
do = bis;
data oder Miejsce = Ort.

Hier können die Suchwünsche eingetragen werden.
Vorsicht, alle Einträge sind in historischer Schreibweise erfasst, auch die Ortsnamen. Da diese sehr variabel waren, sollte man alle Varianten ausprobieren, die man kennt. Die besten Ergebnisse werden über Ortssuche erzielt.
Wer sich einen Gesamtüberblick verschaffen möchte, braucht statt eines Namens nur einen Buchstaben in das Suchfeld einzugeben, dann wird der gesamte Datenbestand angezeigt und kann in eine eigene Tabelle kopiert werden.

Die Monate heißen hier polnisch:
czerwca = Juni;
grudzien = Dezember;
kwiecien = April;
lipiec = Juli;
listopad = November;
luty = Februar;
maj = Mai;
marzec = März;
pazdziernik = Oktober;
sierpien = August;
styczen = Januar;
wrzesien = September;


Letzte Bearbeitung am 29. September 2013.   ©   Dr. Claus Christoph, Hemmingen